ich mache mir sehr viele gedanken zu einem in diesen tagen richtig heißen thema: stützung von automobilproduzenten mit milliarden an steuermitteln. ich komme nicht auf einen grünen zweig, da skepsis und erbostheit immer wieder innerlich von sachargumenten und prognostizierten arbeitslosenzahlen erschlagen werden. dennoch…
einem unfallpatienten gleich im rettungswagen die notwendigen blutkonserven zu verabreichen ist eine lebensrettende maßnahme, die auch dann sinn macht, wenn die blutung noch gar nicht gestoppt werden konnte. im interesse der lebensfähigkeit des patienten ist der verlust an kostbarem blut sicher vertretbar und niemand würde daran zweifeln (außer die zeugen jehovas). so sehe ich das auch im falle der banken, ohne die die gesamte wirtschaft gelähmt werden würde.
ich bin mir aber so gar nicht sicher, ob wir es mit unfallpatienten zu tun haben, oder zumindest nicht in allen fällen. gerade die letzten jahre der US big three ist ja sowas von voll von fehlentscheidungen voller arroganz und unbelehrbarkeit, dass ich eher der meinung bin, wir haben es mit einem kettenraucher zu tun, der trotz fortschreitendem lungenkrebs unbegrenzt zigaretten konsumiert und nun “ganz plötzlich” in der komastation liegt. wie schaut es da aus mit den lebensrettenden maßnahmen? wenn wir von begrenzten vorräten an blutkonserven ausgehen (was wir müssen), geben wir denn dieses blut nicht eher an die patienten, die “unverschuldet” in diese missliche lage gekommen sind und nebenbei auch noch weit mehr perspektive aufzeigen, auch nach der gesundwerdung ein vernünftiges und verantwortungsvolles leben zu führen? denn bei GM und Co. können wir nur mit sehr viel vertrauen davon ausgehen, dass sie “aufhören zu rauchen”. anstatt mittel in die verjüngung der eigenen infrastruktur zu investieren, haben sie doch sämtliche mehr oder weniger marode (und mehrheitlich europäische) hersteller aufgekauft, vielleicht als potenzersatz, vielleicht als vorwand für millionen an managerprämien, wer weiß. jedenfalls gäbe es all diese marken heute nicht mehr (saab, land rover, jaguar, volvo würden mir zwar fehlen, haben aber am markt wenig berechtigung). zeitgleich haben die großen 3 die notwendigen schritte nicht eingeleitet, die auch nur einen leichten anschluss an die wesentlich produktivere und innovativere deutsche oder japanische industrie hätte ermöglichen können.
eines ist klar: die autoindustrie ist einer der stärksten wirtschaftsmotoren, einer der weltweit grössten arbeitgeber. sie hat aber in gesamtheit jahrelang negligiert, dass es zu mehreren trendwenden kommen muss. die rechtzeitige trendwende in der modellpolitik, eine drastische trendwende in antriebssystemen bzw. mobilitätskonzepten, und last but not least eine massive trendwende in der stückzahlhörigkeit und wachstumsgläubigkeit der letzten jahrzehnte. manche haben diese trendwende etwas früher mitgemacht (Toyota, BMW oder Renault mit dem Elektro-Projekt in Israel..). manche gar nicht. den kettenrauchern massiv unter die arme zu greifen würde bedeuten, diejenigen indirekt zu bestrafen, die ihre (zt. schmerzhaften) hausaufgaben sehr wohl erledigt haben.
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