Aus gegebenem Anlass musste/konnte ich in den letzten Wochen circa 25 Autohandelsbetriebe in Wien und Umgebung verdeckt besuchen. Ist ja insofern nicht der schlimmste Zeitvertreib, da ich nach wie vor autobegeistert bin und mich freue, wenn ich in Schauräumen schmöckern kann.
Meine Analyse fällt vernichtend aus: ich habe mir als Testkäufer natürlich ein ordentliches Kaufinteresse zu Grunde gelegt, war mit Stories, Namen, Firmen, tja sogar einem kleinen Fuhrpark gewappnet und ging so auf die ahnungslosen Verkäuferkollegen los (leider waren keine Damen dabei). Von den klassischen vereinzelten Ausrutschern abgesehen (sich hinter dem Schirm verstecken, plötzlich ganz wichtige Anrufe tätigen müssen oder einfach wegschauen und den A… nicht vom Sessel heben) schockierte mich die Tatsache, dass ich in all diesen Fällen NICHT EINMAL meinen erfundenen Namen, meine erfundene Firma, auch nicht einmal genauere Details meines Interesses nennen musste.
Es war nicht einer dabei, der auch nur ansatzweise versucht hätte herauszufinden, um was es bei meinem Besuch geht, und wie konkret mein Interesse wirklich ist! Es war nicht einer dabei, der mir ein persönliches und konfiguriertes Angebot hätte machen wollen!
Ich wurde generell NICHT GEFRAGT! Zum Schluss kam ich dann in ein Haus, wo ich auf einen Kollegen traf, der diese Erfahrungen widerlegte: er stellte sich mit Namen vor, er fragte mich, erkundigte sich, wollte meinen Namen wissen, und allerlei Dinge, und das alles sehr professionell, nicht aufdringlich, aber gerade richtig, um einen intensiveren Kontakt anzubahnen.
Er war aus Deutschland.
Ist die Frage zulässig: sind Österreicher wirklich aus einem anderen Holz? Fällt es Österreichern aufgrund der eigenen Sozialisation schwerer, in ein Verkaufsgespräch zu treten? Oder ist das Ganze vielleicht kundengetrieben? Fühlen sich Österreicher generell unter Druck gesetzt, wenn Sie nach dem Namen gefragt werden? Kann der sprichwörtliche österreichische “Schmäh” erst dann fließen, wenn man jemanden kennt? Oder ist es Zufall?
Ich glaube nicht. Ich denke, es sind sehr wohl große Unterschiede im allgemeinen Sozialverhalten in den beiden Ländern. Aber in Wirklichkeit handelt es sich bloß um fehlende Qualifizierung und fehlende Führung der Leute. Nicht mehr und nicht weniger. Und erst das ist das wirklich Erstaunliche.
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