wer hat sie nicht, die brandwunden und blauen flecken, die man im täglichen kampf am arbeitsplatz intern oder extern verpasst bekommt. das leben ist ein ständiges auf und ab, manche tragen ihre lorbeeren zur schau wie einst caesar im amphitheater, andere zeigen leidend die blutunterlaufenen augen her – als beweis für harte kämpfernatur? als beweis für das erlittene unrecht? oder aus der hoffnung heraus, jemand wird einen streicheln dafür?
jedenfalls ist es gut, wenn man zwar aus allen erfahrungen lernt, diese aber nicht offen zur schau stellt. gerade nicht in bewerbersituationen. oft erlebe ich von gestandenen verkäufern und verkäuferinnen, dass das bewerbergespräch abdriftet in eine einseitige erzählung, was alles im gerade noch (oder bereits nicht mehr?) aufrechten dienstverhältnis schief läuft, welche fehler die vorgesetzten machen, welche fehlentwicklungen man gerne verhindert hätte, wenn man nur die möglichkeit gehabt hätte, warum man dort und da die flinte ins korn geworfen hat usw. usw. usw. detailreich werden die situationen geschildert, die dazu geführt haben, dass man sich trennen will oder getrennt hat, warum man doch nicht für den nächsten karriereschritt auserwählt wurde, mitunter auch warum man(n) nicht mehr mit XY verheiratet ist.
nun ist das anführen von gründen für ein “scheinbares scheitern” sehr wichtig. schließlich erreicht man damit auch verständnis, denn es gibt keinen, der nicht schon einmal einen Aussetzer in der Zündung hatte, verzweifelt war oder einfach nicht mehr wollte. aber bitte: alles nur sachlich, unpersönlich und OHNE INTIMEN DETAILS! die details der scheidung sind genauso zerstörerisch wie die sitzordnung der besprechung, wo es mit der letzten GL zum krach kam. keiner interessiert sich in der situation für die blauen flecken, egal ob sie privater natur oder geschäftlich bzw. beruflich sind. mit diesen dingen beweist man nur eines: die fehleinschätzung der kommunikativen situation, eine völlig falsche fokussierung, einen hang zur schwätzerei. und nicht zuletzt wunden, die einem noch immer – nach monaten, jahren, vielleicht jahrzehnten noch immer weh tun und anfangen zu bluten, wenn es dazu kommt darüber zu reden. unbewältigte vergangenheit.
welche dieser eigenschaften sind denn wirklich förderlich für die beurteilung einer verkaufspersönlichkeit oder einer führungskraft? ich denke keine! also: reduce to the max! (ein grenzgenialer claim! oh, meine unbewältigte vergangenheit…)
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