zuletzt hatte ich im rahmen eines workshops eine kleine diskussion. wir haben über markengerechtes verhalten gesprochen, über die erwartungen von kunden einer premium marke gegenüber und all jenen, die diese marke offiziell vertreten. und da sind natürlich viele kleinen mosaiksteine aufgetaucht, die allesamt ein großes bild ergeben haben.
unter anderem wurde erzählt, dass man ja in der freizeit “die arbeitsmarke” wieder ablegen kann, den anzug ausziehen, die sätze wieder etwas schlampiger formulieren, und über manche erzkonkurrenten das sagen, was man sich wirklich denkt. so ist einem kollegen im lebensmittelgeschäft plötzlich einer seiner besten kunden gegenüber gestanden: unser held war unrasiert und verschwitzt, denn er kam nur kurz von seiner wohnung herunter um semmeln (=brötchen) zu kaufen. er hatte seine hauspatschen an. ihm war das sehr unangenehm, obwohl der kunde keinerlei aussagen in diese richtung getätigt hat. dieser auftritt hätte in seiner offiziellen funktion sicherlich nicht zu seinem ruhm gereicht, aber: hat man denn nicht auch ein anrecht auf eine inoffizielle lebensphase? wie weit lässt man die regeln der arbeit (oder eines arbeitgebers…?) auch in die spärlich verbleibende freizeit hineinregieren? wo verläuft hier eine sinnvolle und für beide seiten vertretbare grenze?
im grunde muss man zuerst sagen, authentizität ist ja eine sehr individuelle angelegenheit, denn in erster linie muss man ja zu sich selbst stehen. wenn das persönliche paradigma nicht mit dem der firma, wo man arbeitet, zusammenpasst, ist der fehler woanders passiert und es wird nicht gut möglich sein, diese zwei ebenen mit zwang oder aus falsch verstandener loyaität zueinander zu führen. anders ist die sache aber dann zu beurteilen, wenn der wille zwar da ist, sich anzupassen, aber die einsicht fehlt, dass es notwendig wäre. solche fälle erlebe ich leider auch sehr oft, wobei hier in erster linie das auftreten in der arbeitszeit von mir gemeint ist. dann ist handlungsbedarf gegeben, entweder durch den vorgesetzten (teilweise problematisch aufgrund des hierarchieverhältnisses), oder durch einen externen berater oder coach.
und abschließend will ich sagen: wenn einem die premium marke (und eine positiv verstandene premium orientierung) so richtig ins fleisch übergeht, dann wird es auch nicht passieren, dass man mit hauspatschen einkaufen geht, denn dann ist es einem ja selbst ein bedürfnis JEDERZEIT diese orientierung zu leben. nicht der arbeit, sondern der eigenen werteskala wegen.
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